August 07, 2026 5 min lesen.
Erfahre, wie du die Wasserdichtigkeit deiner Uhr richtig einschätzt, was ihr Inneres schützt und welche typischen Fehler du vermeiden solltest, bevor sie mit Wasser in Kontakt kommt.
Auf dem Zifferblatt oder dem Gehäuseboden vieler Uhren findest du Angaben wie 5 ATM, 100 m oder 30 bar. Auf den ersten Blick scheint es ganz einfach: Je höher die Zahl, desto tiefer kann die Uhr ins Wasser. Doch genau diese Interpretation kann zu einem wichtigen Irrtum führen. Eine Uhr mit einer Angabe von 50 Metern ist nicht automatisch dafür ausgelegt, dich bis in diese Tiefe zu begleiten. Um zu verstehen, warum das so ist, müssen wir zunächst schauen, wie ein Gehäuse trotz verschiedener kleiner Öffnungen dafür sorgt, dass kein Wasser an das Uhrwerk gelangt.

Die Wasserdichtigkeit beschreibt die Fähigkeit einer Uhr, das Eindringen von Wasser, Feuchtigkeit und Staub in ihr Inneres zu verhindern. Das bedeutet nicht, dass die Uhr für immer vollständig wasserdicht bleibt, sondern dass sie so konstruiert und geprüft wurde, dass sie unter bestimmten Bedingungen einem festgelegten Druck standhält.
Diese Widerstandsfähigkeit wird normalerweise in Atmosphären —ATM—, bar oder Metern angegeben. Als Orientierung gilt: 1 ATM entspricht ungefähr 1 bar beziehungsweise dem statischen Druck in etwa 10 Metern Wassertiefe. Die angegebene Meterzahl sollte jedoch nicht wörtlich als tatsächliche Einsatztiefe verstanden werden. Armbewegungen, der Aufprall auf die Wasseroberfläche und Temperaturschwankungen können zusätzlichen Druck auf das Gehäuse ausüben.

Auch wenn ein Uhrengehäuse auf den ersten Blick vollständig geschlossen wirkt, besitzt es mehrere empfindliche Stellen. Wasser kann an der Verbindung zwischen Glas und Gehäuse, über die Krone, die Drücker eines Chronographen oder den Gehäuseboden eindringen. Deshalb hängt die Wasserdichtigkeit nicht von einem einzigen Material ab, sondern von einem vollständigen System, bei dem alle Komponenten perfekt zusammenspielen müssen.

Dichtungen sind kleine, flexible Ringe, die rund um das Glas, die Krone, die Drücker und den Gehäuseboden eingesetzt werden. Sie bestehen normalerweise aus Gummi oder synthetischen Materialien, die sich zusammendrücken lassen und dadurch die kleinen Zwischenräume abdichten, durch die Wasser eindringen könnte. Sie sind unscheinbar, gehören aber zu den wichtigsten Schutzbarrieren einer Uhr.

Eine verschraubte Krone wird über ein Gewinde fest mit dem Gehäuse verbunden. Dadurch wird die Dichtung zusammengedrückt und ein sichererer Abschluss geschaffen. Dasselbe Prinzip kann auch beim Gehäuseboden zum Einsatz kommen. Diese Konstruktion findet man häufig bei Sport- und Taucheruhren, da sie einen höheren Schutz gegen Druck bietet. Trotzdem muss die Krone immer vollständig verschraubt sein, bevor die Uhr mit Wasser in Kontakt kommt.

Das Uhrglas muss dem Druck standhalten können, ohne sich zu verformen oder vom Gehäuse zu lösen. Saphirglas wird in der Uhrmacherei wegen seiner Härte und hohen Kratzfestigkeit besonders häufig verwendet. Für die Wasserdichtigkeit ist allerdings vor allem entscheidend, wie das Glas eingesetzt und abgedichtet wird. Materialien wie Edelstahl oder Titan sorgen zudem für Stabilität und eine gute Korrosionsbeständigkeit, was besonders wichtig ist, wenn die Uhr mit Salzwasser in Berührung kommt.

Diese Empfehlungen dienen als Orientierung. Bevor du eine Uhr im Wasser verwendest, solltest du immer die genauen Hinweise des Herstellers beachten, besonders wenn du mit ihr tauchen möchtest. Uhren, die speziell als Taucheruhren entwickelt wurden, müssen zusätzliche Anforderungen an Ablesbarkeit, Widerstandsfähigkeit, Kontrolle der Tauchzeit und Sicherheit erfüllen.

Wasserdichtigkeit ist keineswegs nur bei Taucheruhren wichtig. Auch Alltagsuhren, Sportuhren und professionelle Zeitmesser verfügen darüber, allerdings ist jedes Modell für eine andere Intensität des Wasserkontakts ausgelegt.
Im Bereich von 5 ATM finden wir Kollektionen wie Q Timex, Marlin oder Waterbury. Modelle wie die Timex Q Continental sind für typische Alltagssituationen wie Regen, Spritzwasser oder Händewaschen ausgelegt. Sie sind vielseitige Uhren, aber nicht für einen längeren Kontakt mit Wasser gedacht.
Mit 10 ATM bieten Kollektionen wie die Luminox Leatherback Sea Turtle einen höheren Schutz und eignen sich für moderate Aktivitäten im Wasser. Ihr CARBONOX-Gehäuse, das robuste Armband und die hervorragende Ablesbarkeit zeigen, wie sich Wasserdichtigkeit in eine leichte und funktionale Uhr integrieren lässt, die für einen aktiven Lebensstil gemacht ist.
Im Bereich von 20 ATM stechen die Modelle der Victorinox I.N.O.X. Kollektion hervor, die für ihre robuste Konstruktion und hohe Stoßfestigkeit bekannt ist. Mit dieser Wasserdichtigkeit kannst du die Uhren beim Schwimmen und bei anspruchsvolleren Aktivitäten im Wasser tragen, solange du die jeweiligen Hinweise des Herstellers beachtest. Die Kollektion umfasst automatische Modelle, Quarzuhren und Chronographen aus Edelstahl, Titan oder Carbon-Verbundmaterial.
Bei 30 ATM gelangen wir in den Bereich von Uhren, die eindeutig für den Einsatz im Wasser und zum Tauchen konzipiert wurden. Die U-Boat Classico Sommerso kombiniert diese Wasserdichtigkeit mit einem 46-mm-Gehäuse, Saphirglas und einer drehbaren Lünette – typische Merkmale, die ihren Charakter als Taucheruhr unterstreichen.
Auch bei verschiedenen Kollektionen von Vostok Europe finden wir eine Wasserdichtigkeit von 30 ATM, darunter die Lunokhod-2, Energia II, Batiscafos oder Nuclear Submarine. Ihre groß dimensionierten Gehäuse, verstärkten Gläser, die Beleuchtung durch Tritiumröhrchen und bei bestimmten Modellen auch ein Heliumventil zeigen, dass diese Uhren für besonders anspruchsvolle Bedingungen entwickelt wurden.
Noch darüber hinaus gehen die professionellen Uhren von Sinn. Die Sinn U1 erreicht eine Wasserdichtigkeit von 100 ATM, während die Sinn UX SDR mit einer Druckfestigkeit von bis zu 500 ATM technisch noch weiter geht. Diese extremen Beispiele zeigen, was in der Uhrmacherei möglich ist, wenn Gehäuse, Glas, Dichtungen und Verschlusssystem gemeinsam als eine einzige Schutzbarriere konstruiert werden.
Diese Beispiele machen außerdem deutlich, dass eine höhere Wasserdichtigkeit nicht automatisch bedeutet, dass eine Uhr für jeden die beste Wahl ist. Die richtige Wasserdichtigkeit ist diejenige, die zu deiner tatsächlichen Nutzung passt: von einer Timex für den Alltag bis hin zu einer Vostok Europe, einer U-Boat oder einer Sinn, die für deutlich anspruchsvollere Umgebungen entwickelt wurden.

Dichtungen altern, verlieren ihre Elastizität und können durch Hitze, Chemikalien oder starke Temperaturschwankungen beschädigt werden. Auch ein Stoß kann den Sitz des Glases oder der Krone beeinträchtigen. Deshalb solltest du die Wasserdichtigkeit deiner Uhr regelmäßig überprüfen lassen, besonders vor dem Sommer oder bevor du sie zum Schwimmen oder Tauchen verwendest.
Außerdem solltest du Krone oder Drücker unter Wasser nicht betätigen, außer der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass dies möglich ist. Nach dem Schwimmen im Meer solltest du die Uhr mit Süßwasser abspülen —sofern ihre Wasserdichtigkeit dies erlaubt—, um Salzreste zu entfernen. Vermeide außerdem sehr heiße Duschen, Saunagänge und starke Temperaturschwankungen.

Nicht jeder braucht eine Uhr mit 300 Metern Wasserdichtigkeit. Für den Alltag können 5 ATM völlig ausreichen, während du dich mit 10 ATM wohler fühlst, wenn du regelmäßig schwimmen gehst. Für anspruchsvollere Wassersportaktivitäten solltest du Modelle mit 20 oder 30 ATM wählen und darauf achten, dass ihre Konstruktion tatsächlich für diesen Einsatzzweck entwickelt wurde.
Wasserdichtigkeit ist weit mehr als nur eine Zahl auf dem Gehäuse. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Dichtungen, Verschlüssen, Materialien, Tests und vielen kleinen technischen Details, die das Herz der Uhr schützen. Wenn du verstehst, was hinter diesen Angaben steckt, kannst du die passende Uhr besser auswählen, sie richtig pflegen und lange Freude an ihr haben – im Wasser ebenso wie an Land.
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