Was, wenn der nächste, Casio-Klassiker“ eine Timex wäre?

September 19, 2026 4 min lesen.

Manchmal genügt ein einziger Blick auf eine Uhr, um sofort eine ganze Epoche zu erkennen. Kompaktes Gehäuse, Metallarmband, Digitalanzeige oder geometrisches Zifferblatt: Die Retro-Ästhetik der 70er-, 80er- und 90er-Jahre ist so stark zurückgekehrt, dass unser Kopf den Satz oft automatisch ergänzt: „Sie sieht aus wie eine Casio Vintage.“ Aber was, wenn diese Ästhetik nie nur einer einzigen Marke gehört hätte?

Auch Timex war damals dabei. Und aktuelle Modelle wie die Timex T80 und die Automatic 1983 E Line zeigen, dass sich hinter zwei auf den ersten Blick ähnlichen Uhren ganz unterschiedliche Geschichten, Materialien und Uhrwerke verbergen können. Der Vergleich beginnt beim Design. Wirklich interessant wird es, wenn wir einen Blick ins Innere werfen.

Zwei Marken, zwei Archive und dieselbe Revolution

Timex verkaufte 1974 seine erste Digitaluhr mit LCD-Display und bot nur ein Jahr später bereits digitale Modelle mit Kalender, Chronograph und Alarm an. Die heutige T80 greift genau dieses Kapitel aus dem Markenarchiv wieder auf.

Casio schrieb seine Geschichte parallel dazu. Die A168 erschien 1995, und auch die AQ-230 kam im selben Jahr auf den Markt, obwohl ihr analog-digitales Konzept auf die Janus AQ-200 von 1982 zurückgeht. Statt von Nachahmung zu sprechen, haben wir es hier mit zwei Herstellern zu tun, die eine Ära neu interpretieren, in der Quarzwerke, LCD-Displays und kleine Metallgehäuse die Art verändert haben, wie wir die Zeit am Handgelenk tragen.

Timex T80 vs Casio A158 und A168

Wenn du nach dem Timex-Pendant zur klassischen digitalen Casio Vintage suchst, ist die T80 der naheliegendste Kandidat. Ihr 34-mm-Gehäuse, das LCD-Display und das Stahlarmband teilen mit der A158 und A168 dieselbe Kombination aus kompakten Proportionen, geringem Gewicht und Alltagstauglichkeit.

Alle drei verwenden digitale Quarzwerke. Die T80 wird von einer CR2016-Batterie betrieben – derselben Batterie, die Casio auch bei der A158 und A168 verwendet. Casio gibt für beide Modelle eine Batterielaufzeit von etwa sieben Jahren an; Timex veröffentlicht für die T80 keine vergleichbare Angabe.

Auch bei den wichtigsten Funktionen gibt es viele Gemeinsamkeiten: Kalender, Alarm und Stoppuhr beziehungsweise Chronograph. Der sichtbarste Unterschied zeigt sich, sobald es dunkel wird. Die A158 verwendet eine LED-Beleuchtung; die A168 führte eine vollflächige elektrolumineszente Hintergrundbeleuchtung ein. Timex setzt dagegen auf INDIGLO®, das eigene Beleuchtungssystem, das Anfang der 90er-Jahre entwickelt wurde.

Auch bei der Konstruktion liegen die Modelle nah beieinander. Die T80 kombiniert ein Resingehäuse, Acrylglas und ein Edelstahlarmband. A158 und A168 setzen auf ein verchromtes Resingehäuse, Resin-Glas und ein Stahlarmband. Es sind kleine, leichte und bewusst zurückhaltende Uhren. Timex gibt für die T80 zudem eine Wasserdichtigkeit von 30 Metern an, während Casio die A158 und A168 schlicht als wasserbeständig beschreibt.

Bis hierhin hängt die Entscheidung vor allem davon ab, welche Markensprache dich mehr anspricht. Und dann kommt die E Line ins Spiel.

Timex E Line vs Casio AQ-230: außen ähnlich, innen völlig verschieden

Die Timex Automatic 1983 E Line und die Casio AQ-230 teilen geometrische Gehäuseformen, Metallarmbänder und kompakte Proportionen. Bei ihren Uhrwerken könnten die beiden Konzepte jedoch kaum unterschiedlicher sein.

Die AQ-230 kombiniert zwei Zeiger mit einem kleinen LCD-Display. Ihr Quarzwerk wird von einer SR920W-Batterie mit einer Laufzeit von etwa drei Jahren betrieben und bietet Dual Time, Stoppuhr, Alarm und Kalender. Ihr verchromtes Resingehäuse ist nur 8,1 mm hoch und die Uhr wiegt 47 Gramm: flach, leicht und ganz auf Funktionalität ausgelegt.

Die E Line greift ein Design auf, das Timex ursprünglich 1983 vorgestellt hat und das an seinem quadratischen Gehäuse mit abgerundeten Kanten – dem sogenannten „TV Dial“ – zu erkennen ist. Gleichzeitig wurde die Konstruktion mit Edelstahl modernisiert. Im Inneren arbeitet ein japanisches Miyota 8215 Automatikwerk mit 21 Steinen, das durch die Bewegungen deines Handgelenks aufgezogen wird und bis zu 40 Stunden Gangreserve bietet. Die Uhr misst 34 mm, ist 12 mm hoch, wiegt mit Armband rund 78 Gramm und ist bis 50 Meter wasserdicht.

Am Handgelenk fühlt sich das Ergebnis deutlich anders an. Die AQ-230 setzt auf Leichtigkeit und Funktionen. Die E Line hat mehr Präsenz und bringt dich näher an die traditionelle mechanische Uhrmacherei: Hier gibt es keine Batterie, sondern einen Rotor, der das Uhrwerk aufzieht, während du die Uhr trägst.

Kann eine Timex zum neuen „Klassiker für jeden Tag“ werden?

Casio Vintage hat sich ihren Status als Ikone verdient. Es geht nicht darum, sie zu ersetzen, sondern daran zu erinnern, dass sie nicht der einzige Zugang zu dieser Ästhetik ist.

Wenn du eine kompakte digitale Retro-Uhr suchst, bietet die T80 ein ähnliches Erlebnis wie die A158 und A168, bringt aber mit Merkmalen wie INDIGLO® und einer digitalen Geschichte, die bis in die 70er-Jahre zurückreicht, ihre ganz eigene Identität mit. Wenn dir die metallische Silhouette der AQ-230 gefällt, du aber ein mechanisches Uhrwerk entdecken möchtest, verändert die E Line das Erlebnis grundlegend, ohne diese visuelle Sprache aufzugeben.

Vielleicht muss die beste Alternative zur klassischen Casio gar nicht neu aussehen. Vielleicht ist es einfach eine andere zeitlose Uhr, der wir bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben.




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